Reisetagebuch - Etappe 10 : Kalahandi
In Indien leben in 700.000 Dörfer über 700 Millionen Menschen. Die großen Städte wie Delhi, Bombay oder Kalkutta hören nicht auf zu wachsen, doch Indien bleibt trotz allem ländlich geprägt. Das musste bei der 10. Etappe meiner Reise nun doch einmal gesagt werden…

Vielleicht hätte ich meine Reise hier beginnen sollen, im ländlichen Indien, dem Indien, das „das Herz des Landes zum Schlagen bringt“, wie Gandhi sagte. Die Inder nennen es „Bharat“ – das bedeutet „Indien“ auf Hindi – im Gegensatz zu „India“, dem städtischen Indien. INDIA – „I Not Doing It Anymore“ (“Ich werde es nicht mehr tun”) sagen viele Inder auch mit einem Augenzwinkern, wenn sie das Ungleichgeweicht zwischen Stadt und Land kritisieren.
Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie Reisetagebuch
| 2 Kommentare »
Etappe 10: Kalahandi
Viele Menschen in Indien verlassen ihre Dörfer, um Arbeit in den Städten zu suchen. Trotzdem leben noch immer über 70 Prozent der indischen Bevölkerung auf dem Land … unter oft „mittelalterlichen“ Bedingungen. Die hygienischen Verhältnisse und die Lebensmittelversorgung sind schlecht, die Menschen haben kein Trinkwasser, keine Schulen, keinen Strom, kein Land… Die Organisation „Ekta Parishad“ (Kraft der Einheit) möchte den Landlosen helfen eigene Grundstücke zu erwerben. Und zwar mit dem von Gandhi angewandten Prinzip des gewaltlosen Kampfes. Sita Devi arbeitet seit 15 Jahren bei „Ekta Parishad“ im Bundesstaat Orissa. Dort zieht sie von Dorf zu Dorf, um die Bewohner über ihre Rechte zu informieren. Einige von ihnen sind zwar schon Besitzer der Grundstücke, auf denen sie ihre einfachen Unterkünfte bauen. Auf die landwirtschaftlichen Flächen, die sie bewirtschaften könnten, haben sie jedoch keinen Anspruch.
700.000 Dörfer gibt es in Indien, ihre Bewohner spüren nichts von der „Industrienation Indien“, deren sich die Oberschicht in den Städten so gerne rühmt.
Kategorie Etappe
| Ein Kommentar »
Reisetagebuch - Etappe 9 : Patna
Shiv Paswan, der Rikscha-Fahrer, über dessen Leben ich in meinem Videobericht erzähle, ist ein Unberührbarer.
Was ist ein Unberührbarer? Shiv Paswan selbst weiß es kaum. Er kennt auch die Bezeichnung Dalit nicht. Aber die beleidigenden, oft erniedrigenden Bemerkungen auf der Straße kann er nicht überhören. Doch „das kommt selten vor“, wie er sagt und außerdem ist es ihm egal, was die anderen über ihn denken oder sagen.

Er hat keine Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Denn Shiv Paswan arbeitet von vier Uhr morgens bis 6 Uhr abends. Er will Geld sparen, um eines Tages ein Kleidergeschäft eröffnen zu können. Das allein zählt für ihn… neben seinem abendlichen Glas Alkohol, um den harten Arbeitstag abzuschließen.
Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie Reisetagebuch
| Keine Kommentare »
Etappe 9 : Patna
„Oh Rikscha“, diesen Ruf hört man auf allen Straßen Indiens; so ruft man einen Rikscha-Fahrer und dann wird erst einmal über den Preis verhandelt.
Shiv Paswan ist Rikscha-Fahrer in Patna, der Hauptstadt des Bundesstaates Bihar.
Wenn er dort durch die Straßen fährt, hört er manchmal aber auch andere, beleidigende Zurufe: „Nähert euch nicht dem Schweinefresser“. Shiv Paswan versucht, nicht hinzuhören. Eigentlich verletzt es ihn nicht, vielleicht hört er es schon gar nicht mehr? Denn er ist ein Unberührbarer, ein Kastenloser. Na und? Deswegen träumt er trotzdem von einem anderen Leben… von dem nach dem Rikscha fahren. Dann will er ein Geschäft aufbauen, er will Kleider verkaufen. Deswegen spart er, eine Rupie nach der anderen, damit man ihm irgendwann auf der Straße nicht mehr hinterher ruft…
Kategorie Etappe
| Keine Kommentare »
Reisetagebuch - Etappe 8 : Patna
Ich bin in Patna, der Hauptstadt des Bundesstaates Bihar - dem ärmsten des Landes, wie es heißt… Jeder Bewohner von Bihar wird das verneinen und diese Rolle dem Nachbarstaat Jharkhand zuweisen. Dort wird man Ihnen sagen, der Bundesstaat Assam sei der ärmste… als sei die Armut etwas, das immer nur den anderen Staat betrifft…

Aber… ich bin nicht nach Bihar gekommen, um den ärmsten Bundesstaat Indiens ausfindig zu machen… auch wenn mein Aufenthalt hier etwas mit der Armut zu tun hat, der Armut der Unberührbaren.
Gandhi nannte sie Harijan, „Kinder Gottes“; über sie werde ich in meinem nächsten Bericht schreiben, denn dieses Mal bin ich wieder einmal einem Menschen begegnet, der mein Konzept über den Haufen geworfen hat.
Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie Reisetagebuch
| 2 Kommentare »
Etappe 8 : Patna
Vor über 30 Jahren verließ Vishori Das sein Heimatdorf, um mit seinen Eltern nach Patna, der Hauptstadt des Bundesstaates Bihar zu gehen – auf der Suche nach Arbeit. Weil sie kein Geld hatten, um eine Wohnung zu bezahlen, ließen sie sich auf einem leerstehenden Grundstück in der Stadtmitte nieder .
Heute leben dort 7000 Menschen. Nach und nach ist hier „Ambedkar Colony“, eines der 65 Armenviertel der Stadt, entstanden.
Auch Vishori lebt noch hier. Seine Nachbarn sind Rikscha-Fahrer, Fabrikarbeiter oder Straßenkehrer. Vishori ist Lehrer und er hat ein höheres Einkommen als seine Nachbarn. Er ist trotzdem geblieben.
Als Vorsitzender des Vereins für die Verteidigung der Rechte der Bewohner von Ambedkar Colony setzt Vishori sich für bessere Lebensbedingungen im Slum ein. Einiges konnte er schon erreichen: die Bewohner bekamen Besitzurkunden für ihre Wohnungen, Zugang zu Trinkwasser, Sanitäranlagen oder Strom…
Doch Vishori wird weiter kämpfen müssen. Denn immer wieder kommen neue Menschen aus den Dörfern… in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der Stadt…
Kategorie Etappe
| Keine Kommentare »
Reisetagebuch - Etappe 7 : Mussoorie
Mussoorie… es ist immer wieder eine Freude, hierher zu kommen. Vor allem im Juni, wenn die Temperaturen in Delhi über 40 Grad klettern. In Mussoorie, auf 2000 Meter Höhe, steigt das Thermometer kaum über 25 Grad.

Mussoorie ist eine ruhige Kleinstadt, ohne die Verschmutzung, den Lärm und die Menschenmengen der indischen Großstädte. Selbst wenn viele indische Feriengäste hier sind, die der Hitze in der Ebene entfliehen, bleibt es in der Stadt gemütlich.
Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie Reisetagebuch
| 2 Kommentare »
Etappe 7 : Mussoorie
Ashok ist Schneider, seit 34 Jahren. Den Beruf hat er von seinem Vater gelernt, dann hat er sich eine eigene Schneiderwerkstatt in Mussoorie aufgebaut. Ashok ist heute 51 Jahre alt; er hat sein Leben lang hart gearbeitet, um seiner Frau und seinen fünf Kindern ein gutes Leben zu bieten. Das ist ihm gelungen… bis seine älteste Tochter im Jahr 2006 am Herzen erkrankte.
Ashoks Ersparnisse reichten nicht aus, um die Operation zu bezahlen, er war gezwungen, sich an einen Wucherer zu wenden. Der lieh ihm das Geld, als Garantie nahm er Ashoks Haus. Dank der Unterstützung von Freunden konnte Ashok seine Schulden zurückzahlen und das Haus behalten.
Eine Geschichte mit einem guten Ende also? Nein…
Um seine Familie versorgen zu können, arbeitete Ashok unermüdlich weiter – und vernachlässigte dabei seine eigene Gesundheit. Sein Augenlicht lässt nach und er leidet unter quälenden Rückenschmerzen, das macht ihm das Arbeiten schwer.
Wird er, für eine eigene Operation, noch einmal zum Wucherer gehen und risikieren, sein Haus zu verlieren?
Kategorie Etappe
| Ein Kommentar »
Reisetagebuch - Etappe 6 : Rückkehr nach Varanasi
Bei meinem ersten Besuch hieß die Stadt noch Benares. Ich bevorzuge diesen Namen, er klingt irgendwie historischer. Eine etwas altmodische Einstellung, ich gebe es zu… Ein bisschen so, als würde ich „Lutetia“ statt Paris oder „Lugdunum“ statt Lyon sagen.
Zurück in Frankreich, kann ich am Fahrkartenschalter an der Gare de Lyon ja mal eine TGV-Fahrkarte Lutetia-Lugdunum verlangen. Mal sehen, wo mich die SNCF hinschickt…
Rückkehr nach Benares also…

Damals sollte Benares nur ein kurzer Zwischenstopp auf meinem Weg nach Nepal sein. Es wurde ein richtiger Aufenthalt daraus; so gut hat es mir hier gefallen. Eine Woche später musste ich dann allerdings gehen, der letzte Tag meines Visums war gekommen.
Benares, das ist natürlich der Ganges; aber auch ein Labyrinth von kleinen Straßen und Gassen oberhalb des Flusses, in denen ich immer wieder einen Tempel entdecke – versteckt in einem Innenhof oder auf dem Fresko einer Häuserfassade.
Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie Reisetagebuch
| 2 Kommentare »
Etappe 6 : Varanasi
Der Ganges… Bhadra Mishra betrachtet ihn seit über 70 Jahren; jeden Tag. Für ihn ist er nicht nur ein Fluss; er ist auch Ganga, die Göttin, von allen Pilgern verehrt, die kommen, um sich in ihrem heiligen Wasser zu reinigen… doch dieses Wasser ist zunehmend verschmutzt; von Müll und den Abwässern der Städte, die ungeklärt in den Ganges geleitet werden.
Bhadra Mishra, der gläubige Hindu, ist bestürzt über diese Verschmutzung; aber er ist auch Wissenschaftler – und als solcher hat er beschlossen, zu handeln.
Vor 27 Jahren hat Bhadra Mishra die „Sankat Mochan Fondation“ gegründet. Die Stiftung kämpft gegen die Verschmutzung des Ganges; sie hat den lokalen Behörden ein System zur Klärung des Flusswassers vorgelegt.
Bhadra Mishra wird für den Ganges kämpfen, bis zu seinem Tod, wie er sagt; um die Göttin Ganga vor dem sicherem Tod zu bewahren.
Kategorie Etappe
| 4 Kommentare »