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India 2009


Reisetagebuch - Etappe 15 : Delhi

„Die Geschichte des Weißen, der nach Indien ging … und blieb“

Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht…
Etwa so: ich hätte Gandhi gefunden, irgendwo, versteckt in einem Ashram, als Bootsfahrer in Benares, als Reinkarnation eines jungen Aktivisten der Kongresspartei in Delhi… das wäre DER Coup für einen Journalisten gewesen… an den ich niemals wirklich geglaubt habe.
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Denn… seit der ersten Etappe meiner Reise hat man mir die Orte gezeigt, an denen er getötet und verbrannt wurde… es war von vornherein klar, dass ich ihn nicht treffen würde…
Gandhi ist tot… und ich wusste, dass er auch auf meiner Reise nicht wieder auferstehen würde. Obwohl ich einige Menschen getroffen habe, die versuchen, in ihrem Alltag nach seinen Prinzipien zu leben.

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Etappe 15: New Delhi

„16 Jungen unter einem Dach“

Sie sind zwischen vier und 17 Jahren alt und leben unter einem Dach. Dem Dach von „Chaya“, einem Haus, das Pascal Fautrat vor einem Jahr gegründet hat. Pascal Fautrat ist ein Erzieher aus Frankreich, der 2007 in Indien eine Weltreise beginnen wollte… aber er blieb in Indien, um sich dort um die Straßenkinder zu kümmern.
16 Jungen leben im Heim. Sie sind Waisen oder wurden von ihren Familien verstoßen. Chaya ist ihr neues Zuhause und Pascal kümmert sich wie ein Vater um sie. Er will die beste Ausbildung für sie, die besten Schulen und die beste Zukunft.
Eine Herausforderung, in diesem Land, in dem Tausende von Kindern auf der Straße leben…

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Reisetagebuch - Etappe 14 : Delhi

25000 Hochzeiten und ein Todesfall

25000.
So viele Hochzeiten wurden am 08. Mai 2009 allein beim Standesamt von Delhi registriert. Woher diese Hochzeitswut gerade an diesem Tag?

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Weil in Indien keine Hochzeit stattfindet, ohne dass vorher die Sterne befragt werden. Nachdem ein Astrologe das Profil der beiden künftigen Eheleute studiert hat, sagt er den Familien, welches Hochzeitsdatum eine glückliche Ehe verspricht.

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Etappe 14: New Delhi

« Eine pragmatische junge Frau »

Mit 23 Jahren sollte eine indische Frau ans Heiraten denken… wenn sie nicht schon verheiratet ist.
Reema Singhal denkt nicht daran; sie hat andere Pläne, vor allem berufliche. Momentan arbeitet sie in einem Verlag, aber später will sie ihr eigenes Touristik-Unternehmen gründen. Pläne, die der klassischen Rolle der verheirateten indischen Frau widersprechen. Diese hat sich in erster Linie um die Familie und die Erziehung der Kinder zu kümmern. Reema hat sich anders entschieden: sie will ihren eigenen Weg gehen, außerhalb der gesellschaftlichen Normen.
Wird sie sich durchsetzen können, in der noch immer patriarchalisch geprägten indischen Gesellschaft, in der auch heute noch jahrtausendalte Regeln gelten?

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Reisetagebuch - Etappe 13 : Delhi

Indien hat gewählt!

Vom 13. April bis 16. Mai 2009 haben die Inder die 537 Abgeordneten der „Lok Sabha“, des Unterhauses des gesamtindischen Parlaments gewählt.

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Indien hat den Indischen Nationalkongress gewählt…
Die 1885 gegründete Partei (auch Kongresspartei genannt), der auch Gandhi – bis zum seinem Rücktritt im Jahr 1934 – angehörte, erhielt 206 Sitze.

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Etappe 13: New Delhi

«Eine junge, politische engagierte Frau»

Ragini Nayak studiert im letzten Semester Jura in Delhi. Sie will Anwältin werden. Und Politikerin.
Politisch aktiv ist sie schon, die 27 Jährige ist Generalsekretärin der „National Students Union of India“, der Studentenorganisation der Kongresspartei. Ein Sprungbrett für eine mögliche spätere Wahl ins Parlament – ins Abgeordnetenhaus, der Lok Shaba oder in die Länderkammer, der Rajya Sabha. Die altehrwürdige, im Jahr 1885 gegründete Kongresspartei ist dabei, sich zu verjüngen, dank ihres jungen Generalsekretärs Rahul Gandhi, der als kommender Premierminister gehandelt wird…
So weit ist Ragini noch nicht. Aber nach dem Sieg ihrer Partei im Mai hofft sie, dass diese die Reformen durchführen wird, die das Land dringend braucht. Vielleicht wird sie in fünf Jahren selbst kandidieren?

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Reisetagebuch - Etappe 12 : Kalkutta

Der Gott der Butter und der Ventilatoren

Ich bin noch immer Kalkutta und hier, bei der 12. Station meiner Reise, stelle ich fest, dass ich bisher vergessen habe, über ihn zu schreiben…

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Vielleicht verdient er auch nicht mehr, als diesen „12. Platz“? Vielleicht hätte er Besseres verdient? Vielleicht sollte man über ihn einfach schweigen, so wie er selbst immer schweigt? Aber in Indien kommt man nicht um ihn herum…

Um wen? Um Gott, natürlich…

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Etappe 12: Kalkutta

„Straßenschulen“

Die «Tomorrow Fondation», gegründet 1991 in Kalkutta, eröffnet dort Schulen, wo es sonst keine gibt: in den Elendsvierteln… 14 Schulen in ganz Kalkutta. Dort gibt es abends Unterricht; für die Kinder, die tagsüber arbeiten müssen, um das Überleben der Familie zu sichern. Etwa 400 Kinder können so eine Schule besuchen; Kinder, von denen manche die Schule vor Jahren abgebrochen haben und andere, die noch nie eine besucht haben. In den „Straßenschulen“ erlangen sie die Kenntnisse, die ihnen ermöglichen, in den normalen Schulbetrieb zurückzukehren… und ihnen vielleicht einmal helfen, den Gelegenheitsjobs und dem Elendsviertel zu entkommen…

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Reisetagebuch - Etappe 11 : Kalkutta

Ein neues Gesellschaftsmodell?

Seit dem Beginn meiner Reise habe ich viele Menschen getroffen – Agariya im Bundesstaat Gujarat, Rikscha-Fahrer in Patna, Tagelöhner aus den Stammesregionen im Bundesstaat Orissa – Menschen, die Tag für Tag unter schwersten Bedingungen für einen Tageslohn zwischen 50 Cents und 2 Euro schuften.

Mein Bericht über das Unternehmen „R.B Enterprise International“ in Kalkutta hat mir endlich eine andere Seite des Berufslebens in Indien gezeigt.
Die beiden Brüder Arup und Swarup Ghosh haben das Unternehmen vor 13 Jahren gegründet. Eigentlich fast zufällig. Sie suchten einfach „eine Beschäftigung“ – nach dem Abschluss ihres Studiums als Werbefachmann und Unternehmensberater. Sie entschieden sich für die Textilbranche.
Heute entwirft das Unternehmen hochwertige Damenkonfektionen für Kunden aus aller Welt, darunter so hochrangige wie Sonia Rykiel.

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Etappe 11: Kalkutta

„Meine kleine Firma“

1996 gründeten Swarup und sein Zwillingsbruder Arup das Unternehmen „R.B Enterprises“. Sie entwerfen Damenkonfektionen, die sie in Australien, Frankreich, Italien oder Neuseeland an so hochrangige Kunden wie „Sonya Rikiel“ verkaufen.
Ihre „kleine Firma“ beschäftigt in der Zwischenzeit in Kalkutta über 200 Angestellte, vor kurzem haben die Zwillingsbrüder in Delhi einen zweiten Produktionsstandort eröffnet.
R.B ist aber nicht nur wirtschaftlich gesehen ein Erfolg. Das Unternehmen engagiert sich auch sozial, in erster Linie für seine eigenen Mitarbeiter. Für diese bietet es Alphabetisierungskurse an, eine kostenlose Kantine, eine Krankenversicherung, zinslose Darlehen oder Rentenzahlungen. Das ist neu in Indien, vor allem im Privatsektor.
R.B Enterprises unterstützt außerdem zwei Stiftungen, die sich dafür einsetzen, dass die Kinder aus den Armenvierteln Kalkuttas eine Schule besuchen können.
Eine kleine Firma mit großen Zielen…

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